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Philosophik


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Philosophik

(in statu nascendi)
von Rolf Reinhold
Version 4.6 vom 12.10.2011

... soll sein "Kunde ('forschen' und 'vermitteln') vom 'philosophieren' unter den Rahmenbedingungen 'EigentlichePhilosophie' und 'Physistik', also '(physistisch) sensoristische Philosophierkunde'.

Sie basiert auf der Sicht, dass Menschen 'philosophieren', weil sie auf diese Weise

  • 'Annahmen erzeugen, mittels derer Annahmen zum handeln erzeugt werden' koennen,
  • die sich notwendigerweise auf 'Mensch und Umwelt' ('MEINEWELT' je Mensch) beziehen,
  • genau hinsehen auf jegliches 'entstehen der Dinge und Lebewesen',
  • akribisch 'hinterfragen, was Menschen behauptet haben',
  • die Grenzen des 'kapierbar' ausloten. 

Der physistische Ansatz bedingt Diskurs ueber je 'MEINEWELT' (siehe auch J.v.Uexkuell) als notwendige Voraussetzung fuer Korrektur und Ergaenzung eigener Sichten'.
Da dieser Ansatz alle 'mythischen' Termini und Denkfiguren durch 'hinterfragen ihrer Sensorierbarkeit' ausschlieszt, ergibt sich daraus ein Bedarf, alle bisherigen 'philosophischen Sichten' auf 'mythenfreie' Aussagen zu ueberpruefen und alle Uebersetzungen philosophischer Texte dementsprechend zu ueberarbeiten. Insbesondere die Texte der griechischen Antike sind aus dieser Sicht in unzulaessig entstellender Weise mit den 'Denkfiguren' der christlichen Kultur besetzt worden.

Die oben gelieferte Operationalisierung von 'physistisch philosophieren', 'Annahmen zweiter Ordnung erzeugen, mittels derer Annahmen zum handeln erzeugt werden' ist ein erstes Beispiel dafuer, dass alle verwendeten Termini dieser 'Art zu philosophieren' 'mit anderen Augen betrachtet' werden muessen, wenn dieser Ansatz konsequent durchgehalten wird.

Die Tatsache, dass diese 'Annahmen erster und zweiter Ordnung (Annahmen ueber Annahmen)' das 'WeltBild' und die 'WeltSicht' von Menschen praegen, macht 'philosophieren' zu einem 'forschen, welche WeltSichten und WeltBilder andere haben und welche ich'.

Wenn ich 'Sicht' operationalisiere als 'Art und Weise, etwas zu betrachten', bezieht der Terminus 'WeltSICHT' sich auf 'jeweilige individuelle Art und Weise, das zu betrachten und zu bewerten, was mich umgibt'.

Wenn ich 'WeltBILD' operationalisiere als 'das BILD, das ich mir von dem mache, was mich umgibt', beschraenkt sich dieses 'WeltBILD' auf 'das, was ich sinnlich erfassen (perzipieren) kann', gewissermaszen 'wovon ich ausgehe, wenn ich handeln moechte', also 'meine Annahmen ueber die und meinen Bezug zu Funktionen von Dingen und Lebewesen'.

Somit befasst sich aus dieser Sicht 'physistisch philosophieren' mit 'weltbildforschen' und 'weltsichtforschen' und kann daraus sowohl 'neue Annahmen ueber das Herstellen von Annahmen', als auch auf dieser Basis wiederum 'neue Annahmen zum Handeln' erzeugen. Der Vorteil gegenueber frueheren Ansaetzen, denen ich, bis auf sehr wenige Ausnahmen, allermeist 'ungepruefte Uebernahme frueherer Schlussfolgerungen' unterstelle, besteht darin, dass hier 'JEDE BASIS jederzeit jedem Menschen zur erneuten Ueberpruefung zur Verfuegung steht'. Jaspers: "Das Wagnis des scheinbar Neuen, in Wirklichkeit uralten, verschiebt allerdings auch gewohnte Akzente. Was kaum beachtet war, gewinnt Raum; was im Vordergrund stand, geraet in den Hintergrund".

Reduktionen der antiken philosophischen Aktivitaeten

Waehrend allererste philosophische Aktivitaeten 'alles hinterfragten', entstanden spaeter immer mehr Einschraenkungen aus den Sanktionen konservativ ideologischer Gegenbewegungen. 

Jenes 'hinterfragen' begann mit den 'traditionellen Setzungen der eigenen Kultur', ueber 'entstehen der Dinge und Lebewesen' bis zu 'animalischen und menschlichen Funktionen'. Aus den Gegenbewegungen entstanden spaeter immer mehr 'Restaurationen alter Denkfiguren', bis hin zu der voelligen Unterdrueckung jeglichen 'hinterfragen' durch christliche Dogmatiker.

Das 'philosophische Schisma'

... als 'Trennung von forschen und philosophieren' hatte seinen Ausgangspunkt vermutlich aufgrund der Aktivitaeten und Aeuszerungen der Nachfolger von Aristoteles. Physisch vollzogen wurde es durch die Auslagerung der peripatetischen Bibliothek und damit auch der forscherischen Aktivitaeten durch die Erben des Theophrastos von Athen in die Bibliothek von Alexandria, die spaeter voellig verbrannte.

Die 'philosophische Blasphemie'

... entstand aus der Gegenwehr gegen kirchliche Bevormundung. Dabei wurde jedoch lediglich das Dogma der Kirche durch das Dogma der Gegeninstitution ""Wissenschaft"" ersetzt und wesentliche religioese Sichtweisen beibehalten. Diese Institution ""Wissenschaft"" wurde von Menschen gebildet, deren Vorfahren jahrhundertelang von klerikalen Dogmatikern indoktriniert worden waren. So wurden also in der Folge unreflektiert die ""Wahrheits""ansprueche des Klerus uebernommen, aus denen der Anspruch zu ""wissen"" resultiert. Sobald wir diesen Anspruch, "Wahrheit gepachtet zu haben" fallen lassen, koennen "glauben" und "forschen" eintraechtig nebeneinander praktiziert werden.
Ob ein Mensch "apeiron", "to on", "Tao" oder "Gott" als "das, was sich meinem 'denken (hier als sensoristisches "... 'denken' als simulieren von Organlagen")' entzieht" setzt oder empfindet, bleibt das Ergebnis gleichermaszen "Grenze dessen, was fuer mich kapierbar ist".
Diese 'Grenzen menschlicher Denkfaehigkeit' festzusetzen war den griechischen Denkern wichtig gewesen und auch weitestgehend von ihnen vollzogen worden. 

Das 'philosophische Dilemma'

... entstand jedoch immer von neuem aus "glaeubig uebernehmen",  bei dem die 'Adepten' die vorherigen Ueberlegungen auf "DIE GROSZEN Philosophen" zurueckfuehrten, denen gegenueber jegliches 'zweifeln' unangebracht war. 

So fehlte fast allen Philosophen einfach die Basis des "genau hinsehen (skep[t]esthai! = skepsis = beobachten, untersuchen [das deutsche Adjektiv 'skeptisch' ist nicht mit 'zweifelnd' zu verwechseln, da es im Sinne von 'abwartend, beobachtend' verwendet wird]... sowohl von Aristoteles als auch Platon anempfohlen; Kant: selber denken)". Sie 'kaprizierten' sich auf Einzelaspekte, die sie der uebernommenen Basis hinzufuegten. Die christliche Denkweise tat ein uebriges dazu, indem sie von "Notwendigkeit der Glaeubigkeit" ausging und das Absolutum "Wahrheit" zum "Ziel aller Philosophie" erklaerte.


Rahmenbedingungen fuer 'physistisch philosophieren'

Die Rahmenbedingungen fuer 'philosophieren' waren nach dem 'apeiron' des Anaximandros, dem  'to on' des Parmenaides, dem 'panta rhei' des Herakleitos und dem 'atomos' des Demokritos unhintergehbar festgelegt.

  • 'apeiron' als 'das, was alles umfasst (Gigon: Gesamtheit der Materie)', sozusagen "der ('letzte') Raum (Zenon), in dem alles 'existierende' enthalten ist, der selber in nichts anderem enthalten ist" bzw. "das EINE, das kein zweites hat (Platon, 'to on' :=: 'to pan')" entspricht in seinem 'fuer Menschen unerreichbar, unzugänglich' unserem heutigen 'unendlich'und 'ewig'.
  • 'to on' beziehungsweise 'to eon' ist das 'Partizip Praesens' von 'einai (sein)' und entspricht somit in seinem 'seiEnD' einem 'gleichbleibend' (und damit dem 'apeiron', siehe Melissos), das im Sinne von 'verlaesslich' zwar von Menschen angestrebt und 'hineininterpretiert', aber nie erreicht werden kann. Diese Sicht ergibt sich aus den Aussagen des 'Lehrgedichts', wenn unterstellt wird, dass Parmenaides ein Wortspiel betrieben hat mit den beiden  Deutungsmoeglichkeiten des 'to on', einmal als 'gleichbleibend', wenn es KEINEM Gegenstand ('apeiron', 'ewig', 'unendlich' sind weder Gegenstaende noch Eigenschaften; KEIN Gegenstand KANN 'eigenschaftslos' sein) eine Eigenschaft zuordnet und zum anderen 'vorhanden, anwesend' ('existierend'), wenn es Gegenstaenden zugeordnet ist.
  • 'panta rhei' mag als 'Charakterisierung permanenter Veraenderung' und bezogen auf 'alles sinnlich erfassbare' als Zitat dem Herakleitos nicht zuzuordnen sein, als sinngemaesze Zusammenfassung seiner Aussagen duerfte es jedoch zutreffend sein. Es kontrastiert und karikiert die Anstrengungen der Menschen, in ihrem 'bemuehen um Sicherheit und Verlaesslichkeit' das 'flieszen' aufhalten und zum Stillstand bringen zu wollen.
  • 'atomos' charakterisiert 'Unzugaenglichkeit des Kleinsten', heute nur noch mit dem theoretischen Postulat 'Boson' zu verdeutlichen.
  • 'bios' als "Raetsel des 'lebendig sein'. kaeme als weiteres hinzu. Direkte Aueszerungen antiker Philosophen zu diesem Thema sind mir in meiner bisherigen Lektuere jedoch noch nicht begegnet, waeren moeglicherweise aber schon bei den 'Pythagoraeern' (z. B. Alkmaion?) zu finden. Indirekt thematisiert wird es jedoch auch schon durch alle Ueberlegungen zu 'perzipieren (physistisch: 'sensorieren')', eventuell mit dem, was als 'nous' bezeichnet und (vermutlich anachronistisch) als ""Geist"" uebersetzt wurde. 

Nach dieser Festlegung des Rahmens des 'kapierbar' koppelte sich 'erforschen von Gesetzmaeszigkeiten' unter dem Einfluss der Texte von Platon und Aristoteles immer mehr von den traditionellen Aktivitaeten der Philosophen ab. In der "hellenistischen" Phase verlagerte sich 'forschen' fast gaenzlich von Athen nach Alexandria, da die Erben des Nachfolgers von Aristoteles (Theophrastos) die gesamte Bibliothek nach dorthin verlagert hatten.

Philosophieren als 'Kulturkritik'

Wenn  der Beginn des 'philosophieren' bei Anaximandros als "abkehren von 'zuhoeren und uebernehmen'!" und "hinwenden zu 'hinsehen und selber denken'!" betrachtet wird, ist dies der Ausgangspunkt 'Kritik (fragendes, also auch 'infragestellendes' Betrachten) der bestehenden eigenen Kultur'. Deutlich wird das aus Fragmenten von z. B.

  • Alkidamas: "Die Philosophie ist ein Angriffswerk gegen Gesetz und Brauch" (Nestle, Aristoteles, Rhet. III 3, 1406 b 11)
  • Hippias: "...; die Sitte (nomos) aber, die den Menschen tyrannisiert, setzt mit Gewalt vieles Natur(physis)widrige durch." (Nestle, Fr. C 1 bei Platon, Protag. 337 C Ds.)
  • Diogenes: "Ich praege die gaengigen Werte um" (Nestle, D 6, 20)
  • Krates: "Man muss solange Philosophie treiben, bis die Feldherren als Eselstreiber erscheinen" (Nestle, D 6, 92)
  • Aristippos: "Der Kundige (sophos, der 'Kundige'; RR) ist frei von Neid, Leidenschaft und Aberglauben: denn alles das ist Wirkung falscher (ich wuerde hier 'falscher Vorstellungen' durch 'irriger Vorstellungen' oder sogar durch das noch neutralere 'von Vorstellungen' ersetzen; RR) Vorstellungen. Dagegen kann er in Trauer und Angst kommen: denn das beruht auf physischen Vorgaengen." (Nestle, D 2, 91)

Bereits Anaximandros kann so interpretiert werden, dass er den ersten Ansatz zur 'Ueberwindung' des Mythos, naemlich der herkoemmlichen 'menschengestaltigen Ursachen des Geschehens' ueberlegt hatte. Sein 'hinsehen' bescherte uns zumindest mit der 'Denkfigur' "apeiron" eine Grenze des 'fuer Menschen erreichbar'. Dieser Negation moechte ich das Wort 'empeiron' gegenueberstellen, das den antiken Griechen offensichtlich als 'fuer Menschen erreichbar' galt.

Wenn Parmenaides dahingehend interpretiert wird, dass er mit seine 'to (e)on' dem Gedanken 'apeiron' folgte, brachte er uns damit den weitergehenden Nutzen, jegliches 'gleichbleibend' hinter eben diese Grenze des 'fuer Menschen erreichbar(A-peiron im Gegensatz zu EM-peiron)' zu verbannen. Das widerspricht deutlich dem Beduerfnis der Menschen nach der 'in der Vorstellung von "Gewissheit" liegenden Sicherheit', die ausschlieszlich in den dogmatischen Setzungen der Kulturen liegen kann. Es ist auch heute noch so, dass Menschen auf jegliches 'infragestellen' der 'aus sich selbst heraus verstaendlichen Gewissheiten', den "Selbstverstaendlichkeiten" ihrer "LEBENSWELT" (siehe Husserl: das, was Menschen nicht infragestellen) ihres Kulturkreises' mit heftiger Abwehr reagieren.

Westlicher Kulturkreis: Gepraegt durch Platon, Aristoteles und Christentum?

Die in einem Kulturkreis uebliche Wortwahl sagt alles ueber das vorherrschende Weltbild aus. Denn hinter der Wortwahl stehen GRUNDlegende Ueberlegungen.


Verdienst der weitestgehend ignorierten griechischer Denker
... sehe ich darin, die Grenzen von 'kapieren koennen' ins Auge gefasst zu haben.

  • unbegrenzt (Anaximandros; Zenon: 'der letzte Raum')
  • gleichbleibend (Parmenaides)
  • jetzt (Parmenaides)
  • vorhanden (Parmenaides) 
  • leben mit den Unterscheidungen
    • beobachten
    • merken
    • erinnern
    • denken
    • werten
    • sprechen
    • benennen
    • und ... negieren

Selbst dann, wenn wir davon ausgehen, dass Parmenaides tatsaechlich gegen Herakleitos und mit Pythagoras kongruent formuliert hatte, stehen dennoch die Aussagen von sowohl Zenon, als auch Melissos und Anaxagoras und nicht zuletzt Protagoras und Gorgias zumindest teilweise im Kontrast dazu.
So betrachtet etwa Theodor Gomperz die Darlegungen von Zenon als "Widerlegung der Lehre des Parmenaides"(sinngemaesz). Er kam jedoch ueberhaupt nicht auf die Idee, dass das Gegenteil der Fall sein koennte.
Meine Arbeit zu Parmenaides steht zwar noch ziemlich am Anfang, laesst jedoch jetzt schon die Aussage als 'moeglicherweise zutreffend' erscheinen, dass er keineswegs ""DAS Sein"" in den Mittelpunkt stellte und "jede Bewegung negierte".
Denn es geht keineswegs 'zwingend notwendig' aus den Fragmenten hervor, dass er 'scheinen' ueberhapt nur kritisierte, geschweige denn 'Realitaet (ta onta)' ignorierte oder gar negierte. Abgesehen davon, dass ihm das Schciksal des Midas beschert gewesen waere, wenn er Nahrungsmittel als Illusion betrachtet und folglich verweigert haette, wird er wohl auch kaum die 'Bewegungshandlungen der Nahrungsmittelaufnahme' unterlassen haben.
Eine 'konsequent skeptische' Interpretation ist mir bisher noch nicht bekannt geworden (fuer Hinweise waere ich dankbar), obwohl er von manchen Autoren durchaus als 'frueher Skeptiker' betrachtet wird.
Es wurde offensichtlich bisher ignoriert, dass 'aletheia' keineswegs der christlichen Denkfigur ""Wahrheit"" entsprochen haben konnte, sondern sehr viel eher einem 'was mir vorhanden zu sein (er)scheint'. Hinweise darauf, wie etwa der von Heidegger, 'aletheia' als 'Unverborgenheit' zu uebersetzen, fuehrten bisher zu keiner grundsaetzlichen Neuinterpretation.
Die moeglichen Kombinationen der verwendeten Termini lassen naemlich durchaus zu, zum einen 'sich im Forschen auf das Vorhandene zu beschraenken' und zum anderen auch dessen 'Vermischung mit dem nichtvorhandenen' als Moeglichkeit zu verwerfen.

Nestle plaediert in seinem Vorwort zu "Griechische Weltanschauung in ihrer Bedeutung fuer die Gegenwart"1946 dafuer, "aus dem Griechentum ... (fuer uns) ... Welt und Leben wieder einmal unbefangen, ohne die christliche Beleuchtung, rein menschlich" zu betrachten. "Und taeten wir nicht besser, an die Stelle einer ueberlebten christlichen Mythologie die uneingeschraenkte Erforschung der Wirklichkeit in Natur und Geschichte und an Stelle einer ueberspannten, im Grunde weltfluechtigen Ethik eine solche natuerlicher Sittlichkeit und zuversichtlicher Weltoffenheit zu setzen, kurz, eine unehrliche Christlichkeit mit einer ehrlichen Menschlichkeit zu vertauschen?".
Wer tatsaechlich ernsthaft antike Texte uebertragen moechte, sollte es unterlassen koennen, christliche Denkfigueren in antike Zusammenhaenge hineinzulegen.

Besonderheiten griechischer Weltsicht

Es ist zu vermuten, dass die nuechtern sachliche Betrachtungsweise gerade deswegen in Griechenland entstehen konnte, weil das Kommunikationsverhalten hier andere Grundlagen hat als im uebrigen Europa. So unterstelle ich tastend: Die alten Griechen haben 'Aspekte aus eigenem Blickwinkel aufgezeigt' und in ihren Diskursen 'Aspekte anderer gewuerdigt und verglichen'.
Den Kontrast dazu bildet 'argumentieren' bzw. 'beweisfuehren', das vermutlich erst mit der von Anhaengern und Nachfolgern des pythagoraeisch dogmatischen Ansatzes beginnt und in der im stoischen Ansatz geuebten Praxis des 'diffamieren' seinen vorlaeufigen Hoehepunkt findet.


Generelles

Kulturelle Hindernisse
Christlich gepraegte Interpreten haben den 'mythos', von dem sich die alten Griechen offensichtlich entfernen wollten, immer wieder mehr oder minder mit 'Aberglauben' gleichgesetzt.
Was waere aber, wenn diese 'ersten Denker des Abendlandes' mit 'mythos' 'alles das, was ich nicht sensorieren kann' gleichgesetzt haetten?
Was waere, wenn sie bemerkt haetten, dass 'mythos' 'Denkfiguren' bereitstellte, in die jeder 'alles hineinlegen kann, was ich moechte (Bateson: 'Erklaerungsprinzip')' und somit jegliches 'einigen' unmoeglich wird?
DASS es in menschlichen Gemeinschaften 'EinigungsBEDARF', gab und gibt, daran werden sie nicht vorbeigesehen haben.
Das 'a-peiron' als 'alles unerforschliche, unzugaengliche', das einem 'em-peiron', einer 'erforschbaren (sensorierbaren) gegenstaendlichen Welt' gegenuebergestellt wuerde, haette, falls es von Xenophanes aufgegriffen worden war, eben jenes 'eine allumfassende, gleichbleibende' durchaus als 'theos' bezeichnen lassen. Oder eben auch als 'to on', als 'das, was gleichbleibt' oder als 'to pan' (Platon) als 'das, was alles enthaelt'. Oder auch als 'Tao'.


Sprachliche Hindernisse

Bei genauerem 'hinsehen' finde ich unsere Sprache 'durchsetzt mit Hindernissen' gegenueber 'beschreiben' von 'sensorierbaren Erscheinungen', von "Fakten", woertlich genommen als 'das, was ich erlebe, wenn ich handele'. Allein schon dieser Satz kostete mich einiges 'ueberlegen', um Worte zu finden, die 'lediglich sensorierbares beschreiben'.

Als erstes '(DAS!) Hindernis' faellt mir immer wieder 'DER Hang zur (zu DER!) SubstantivierUNG' auf.

Was machen wir da eigentlich, wenn wir 'Taetigkeitsworte' und 'Eigenschaftsworte' in ein Substantiv verwandeln?

Welche Folgen hat das fuer unsere 'Weltsicht'?


Enkulturation als Hindernis

'Enkulturation' bedeutet 'hineinwachsen in die kulturspezifischen Vorstellungen der Vorfahren'. In der Regel uebernimmt ein Mensch damit 'grundlegende Auffassungen'. Diese 'grundlegenden Auffassungen' bezeichnet Husserl als "Lebenswelt" und operationalisiert sie (sinngemaesz) als "das, was ein Mensch nicht infrage stellt". 


Dogmatischer Ballast

... aufgezeigt am Beispiel der 'Uebersetzungen' des Textes von Parmenaides.

Der 'Kernbegriff' des Lehrgedichts ist das Partizip Praesens des Wortes 'sein' (einai) also 'seiend' ([to] on). Dieses wird auch als 'Hilfswort' (Hilfsverb, Kopula) bezeichnet, da es eigentlich nur zusammen mit einem Eigenschaftwort verwendet werden kann. Die Gleichsetzung 'ist ein ...' kann 'adjektiviert' oder 'operationalisiert' werden: "Sokrates ist ein Mensch" als "Sokrates ist menschlich" oder "Sokrates lebte".

Entscheidend fuer meine Interpretation ist nun, dass Parmenaides dieses Hilfswort weitgehend OHNE Beifuegung von Eigenschaftworten verwendet. daraus ergibt sich zwingend die Frage "WAS kann 'ohne Eigenschaft' sein?". 

'Eigenschaft' moechte ich operationalisieren als "das, 'was der Gegenstand mir bedeutet' und 'wie der Gegenstand aus meiner Sicht beschaffen ist'. Dem folgend haette jeder 'fuer mich vorhandene Gegenstand' zwangslaeufig 'Eigenschaften'. Einen 'Gegenstand ohne Eigenschaften' kann es demnach nicht geben. 

Folglich sind einige Uebersetzer auch so konsequent gewesen, dem von Parmenaides mit 'seiend' Bezeichneten die NICHTeigenschaft "ewig" zuzuordnen. Und dieser Grundgedanke ist bereits in dem 'apeiron' des Anaximandros enthalten, wurde also von Parmenaides lediglich aufgegriffen, soweit wir davon ausgehen, dass der ihm bekannt war. Sein 'Schueler' Melissos weist auch ausdruecklich auf diese Gleichbedeutung hin.


Begriffliche Hindernisse

Homunculi

Wann zuerst ein Terminus eingefuehrt wurde, der dem heutigen "Geist" entspricht, ist mir noch nicht klar. Vermutlich war es, moeglicherweise bei Platon, der Terminus 'nous' als 'substantivierte Aktivitaet', der die spaeteren Christen veranlasste, ihre Denkfigur "Geist" hineinzuinterpretieren.
Ebenso duerfte es sich mit dem Terminus 'psyche' = 'Lebenshauch' verhalten, in den die christliche Denkfigur "Seele" hineininterpretiert wurde.
Alle 'Erklaerungsmodelle', wie es auch "Gott (hat die Welt erschaffen), "Seele (ist Quell des Lebens)" und "Geist (ist Quell der Problemloesefaehigkeit)" sind, haben ihren Nutzen darin, mit quaelenden Gedankengaengen abzuschlieszen.
Wenn mir ein Philosoph sagt, fuer ihn gebe es einen 'Homunculus' in jedem Menschen, akzeptiere ich das als seine Loesung fuer ein 'Ende der Gruebeleien darueber'.
Wenn 'Homunculi' wie auch und insbesondere "DIE Vernunft", "DER Wille", "DER Verstand", "DAS Bewusstsein" (etc.) allerdings zur 'Argumentation' angefuehrt werden, streikt bei mir etwas.
Auch ich kann anhand der Ergebnisse der neurophysiologischen Forschung keineswegs darauf schlieszen, WIE die internen 'Aktivitaeten' bei Lebewesen funktionieren. Zwar lassen sich moeglicherweise 'Prozesse' abbilden, aber 'Prozesse' und 'Aktivitaeten' sind nicht aufeinander zurueckzufuehren.
Mit aehnlicher Akzentuierung ist das bereits David Hume wie auch Ernst Mach und seinen Schuelern (z. B. Mauthner und Wahle) deutlich gewesen.

Folgen wir diesem Gedanken, koennen wir einfach auf 'Erklaerungsmodelle' ("Fiktionen"!) dieser Art verzichten und uns auf die Darstellung von Zusammenhaengen wie "erhoehter Stoffwechsel in einem bestimmten Bereich des Gehirns bei bestimmten Aktivitaeten" in zurueckhaltender Weise beschraenken.
Sicherlich lassen sich manche Schlussfolgerungen aus der Gehirnforschung ableiten, wie z. B. "erinnern hat moeglicherweise mit dem Wachstum der synaptischen Verbindungen zu tun". Das koennte dazu fuehren, dass 'lernen' zukuenftig als "abhaengig von velfaeltiger Anregung aller Sinne" betrachtet und die 'Lernbedingungen' dementsprechend gestaltet werden.


'physistisch sensoristisch philosophieren'
... stellt, ebenso wie 'Eigentliche Philosophie', einen Rahmen zur Verfuegung, der moeglicherweise mit unterschiedlichen Ansaetzen gefuellt werden kann. Daher habe ich meine Schlussfolgerungen von diesem Ansatz getrennt gehalten und veroeffentliche sie unter der Bezeichnung 'AxioTentaO' zur Verfuegung. Das mag als Anlass dienen, 'philosophieren' nach Ansaetzen zu trennen, die ihren Blickwinkel deutlich als Hintergrund zur Beurteilung der enthaltenen Ueberlegungen darstellen.



(wird fortgesetzt ... z.B. wenn sie uns per eMail nach näheren Einzelheiten fragen, wir schicken Ihnen die Fortsetzung gern zu. Entweder als newsletter oder auf Ihre direkte Anfrage auch als direkte Antwort per eMail) 

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